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JUDO

Kampfkunst und Weltanschauung zugleich




Insgesamt 26 junge Judoka des VfL-Fredenbeck stellten sich am 16.06.10 vor den Augen ihrer interessierten Eltern der Prüfung zum nächsthöheren Gürtelgrad. Das Prüfungs-Programm beinhaltete Fallübungen, Wurftechniken, verschiedene Haltegriffe und Technik-Verkettungen. In unaufgeregter Atmosphäre zeigten die Prüflinge ihren drei Trainern ihr erworbenes Können. Zum Abschluss demonstrierte Simon Voßhoff als höchstgraduiertester sein umfangreiches Prüfungsprogramm vor aller Augen und erwarb den orangenen Gürtel.
Nach einer langen und schweißtreibenden und kräftezehrenden Prüfung, konnte der Trainer Jan Behrens die gute Nachricht verkünden: Alle hatten bestanden. Jeder Prüfling nahm unter dem kräftigen Applaus der Zuschauer und mit einigen würdigenden Worten ihres Lehrers den neuen Gürtel entgegen. Mit stolz erfüllter Brust zogen die Prüflinge in die Ferien.

Trainingszeiten: mittwochs in der kleinen Schulturnhalle in Fredenbeck

15.00 - 16.30 Uhr Anfänger ab 9 Jahren (Weiß- und Weiß/Gelb-Gurtträger) 16.30 - 17.30 Uhr Anfänger ab 6-9 Jahren 17.30 - 19.00 Uhr, Fortgeschrittene Kinder und Erwachsene (ab Gelbgurt)



Siegen durch Nachgeben

Judo ist Kampfkunst und Weltanschauung zugleich, Respekt, Rücksicht und Fairness sind wichtige Elemente. Der Wettkampf- und Selbstverteidigungssport aus Japan mit dem fernöstlichen Charme fasziniert immer mehr Menschen. Kein Wunder, denn Judo ist so vielseitig, dass es jedem etwas bieten kann. Dem ehrgeizigen Wettkämpfer genauso wie dem Freizeitsportler, der sich einfach nur fit halten und nette Leute kennen lernen möchte. Die Bedeutung des Wortes Judo -" der sanfte Weg" - kennzeichnet das Wesen dieser olympischen Sportart. Judo bedeutet: Mit minimalem eigenen Krafteinsatz soll die größtmögliche Wirkung erreicht werden. Die Kraft des Gegners wird dabei geschickt ausgenutzt. Zug wird mit Druck, und Druck wird mit Zug beantwortet und bringt so einen Gegner aus dem Gleichgewicht. Auch ein erheblich größerer und stärkerer Gegner kann problemlos geworfen werden, wenn er die Grundprinzipien des Judos nicht beherrscht. Judo bietet also auch den weniger kräftigen, wie zum Beispiel Frauen und Mädchen, die Möglichkeit, sich gegen Angriffe zu Wehr zu setzen. Ziel der beiden Kämpfer (Judoka) ist es, den Gegner zur Aufgabe zu bringen oder einen Punktsieg über ihn zu erringen. Im fairen Wettkampf werden Stand- und Bodentechniken, Würfe und Griffe angewandt.


Judo für Kinder

Gerade auch für Kinder - egal ob Jungen oder Mädchen - ist Judo ein ideales Grundlagentraining. Unser erfahrener Kinder- und Jugendtrainer Jan Behrens sorgt dafür , dass Spiel und Spaß bei ihren Schützlingen nicht zu kurz kommen. Die Kleinen können sich austoben und sind mit großem Eifer bei der Sache. Die Sportart Judo bietet Kindern viele Vorteile. Im Training wird ihre Koordinationsfähigkeit gefördert. Beide Arme und Beine führen zeitgleich verschiedene - auch gegenläufige - Bewegungen aus. So lernen Kinder mit ihrem Körper umzugehen. Aus diesem Grund empfehlen Sportärzte das Judotraining auch häufig schon in frühen Jahren, jedoch nicht früher als mit 6-7 Jahren. Darüber hinaus ist Judo gut zur Übung von Disziplin und Geduld, weil der Sport klaren Regeln unterliegt. Und Fallübungen, die im Training gelehrt werden, sind nicht nur unverzichtbar für Wurftechniken, sondern können auch bei Stürzen im Alltag nützlich sein und Bewegungssicherheit vermitteln. Außerdem erzieht Judo die Kinder und Jugendlichen zu Fairness und Kameradschaftlichkeit und stärkt ihr Selbstbewusstsein.


Das Training

Ein Judotraining dauert bei den 9jährigen und älteren Kindern eineinhalb Stunden. Mit Funktionsgymnastik, Stretching oder einem leichten Boden-Randori (Übungskampf) beginnt zunächst einmal das Aufwärmen. Dazu gehören auch verschiedene Spiele, die die Kondition, die Ausdauer, das Reaktionsvermögen oder das Gleichgewicht trainieren (Konditionelle Fitness wird nicht vorausgesetzt, sondern langsam aufgebaut). Nach dem Aufwärmen und Dehnen der Muskeln beginnt der technische Teil. Der Trainer zeigt eine Wurf- oder eine Bodentechnik und erklärt, worauf es dabei ankommt. Während die Judoka die Technik partnerweise einüben, geht der Trainer herum und kümmert sich besonders um diejenigen, für die die Technik noch neu ist. Damit sich die Judoka nicht auf einen bestimmten Partner einstellen und dadurch unflexibel werden, findet gelegentlich ein Partnerwechsel statt. Das Randori (der Übungskampf im Stand oder im Boden) soll zeigen, ob der Judoka das Gelernte auch anwenden kann. Durch die leichte Gegenwehr des Trainingspartners gelingen die Techniken nur, wenn man sie richtig macht. Deshalb ist Randori die beste Erfolgskontrolle.



Judo als Selbstbehauptungstraining und Präventionsprogramm gegen sexuellen Missbrauch

Selbstbestimmung über den eigenen Körper setzt voraus, dass ein gefestigtes Selbstbild vorhanden ist. Mein Selbstbild ist bestimmt von meinen Erfahrungen und den Erwartungen, die an mich gestellt werden. Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl (= starkes, positives Selbstkonzept) sind Voraussetzung dafür, dass Kinder "Nein!" sagen können. Opfern, so wurde festgestellt, mangelt es oftmals an Selbstvertrauen und sie haben wenig oder gar keine Freunde. Das Training in einer gleichaltrigen Trainingsgruppe verbessert die Sozialkompetenzen und bietet Möglichkeiten sozialen Anschluss zu finden. Einmal im Jahr veranstaltet der VFL mit den Judokindern eine Sommerfreizeit in der das soziale Miteinander vertieft werden kann.

Ein stabiles Körperselbst (sensorisches Selbst) entwickeln

Judo ist Körperarbeit, d.h. Interagieren mit dem eigenen Körper und dem Körper anderer. Kinder sollen ihren Körper als etwas Einmaliges entdecken mit besonderen Merkmalen und seiner spezifischen Leistungsfähigkeit. Im Judo-Unterricht soll deshalb eine breite motorische Basis von unspezifischen Fertigkeiten spielerisch und turnerisch bereitet werden, um den eigenen Körper in möglichst verschiedenenartigen Situationen und Anforderungen entdecken zu können. Diese Spielformen werden ergänzt durch spezielle Formen der Körperwahrnehmung.

Wirksamkeit des eigenen Verhaltens entdecken und bestätigt bekommen


Judo ist Partnerarbeit, d.h. fast alle Übungen sollten mit einem Partner oder in der Gruppe ausgeführt werden. Judo ist immer auch soziales Lernen, denn ohne einen Partner geht im Judo nichts. Deshalb wird positives Gruppen-/Partnerverhalten und Zusammenarbeit ebenso mit Lob versehen wie gelungene Bewegungsversuche. Dissoziales Verhalten, Rücksichtslosigkeit und mangelnder Respekt werden im Gegenzug problematisiert und sanktioniert. Judo soll keine Spielwiese sein, seine Aggressionen hemmungslos gegenüber anderen auszuleben.

Sich erfolgreich mit anderen vergleichen/messen

Judo ist "raufen", d.h. von den ersten Judo-Stunden an ein spielerisches Gegeneinander nach festgelegten Regeln. Wichtig ist es dabei, auf gleiche Ausgangsbedingungen zu achten, also vor allem auf gleiches Körpergewicht. Regeln des Kämpfens dienen vor allem dem Schutze der körperlichen Unversehrtheit des Trainingspartners.

Von anderen mir zugeordnete positive Eigenschaften aufnehmen


Judo ist Höflichkeit, d.h. Judo unterliegt festgelegten "Benimm-Regeln". Diese sollten nicht aufgeweicht werden. Weder Übungsleiter noch Schüler untereinander sollten andere herabwürdigen, verächtliche Bemerkungen über andere machen oder deren Leistungen (vor allem für die Gemeinschaft), und seien sie noch so klein, abtun. Kinder sind als Personen ernst zu nehmen. Wenn es um Körperwahrnehmung und ein starkes positives Körperselbst geht, darf es im Judo-Training keine körperlichen Grenzüberschreitungen geben, weder von Kindern gegenüber anderen Kindern noch von Erwachsenen gegenüber Kindern und auch nicht von Kinder gegenüber Erwachsenen.

Im Judo-Training sind folgende Handlungen unter keinen Umständen zu dulden und zwar weder von Kindern noch von Erwachsenen:

· keine mutwilligen Körperverletzungen · keine Beleidigungen · keine Ungleichbehandlungen · keine Sachbeschädigungen

Unsere Übungsleiter stehen mit ihrer ganzen Person für den Erhalt dieses Schutzraumes ein.

Die häufigsten Vorurteile

· "Für Judo bin ich nicht sportlich genug" Judo ist in erster Linie ein Breitensport. Man muss dafür nicht sportlicher sein als zum Beispiel für Schwimmen, Radfahren oder Jogging. In den Anfängergruppen werden Kondition und Beweglichkeit nicht vorausgesetzt, sondern nach und nach aufgebaut. Niemand wird überfordert, denn Judo soll vor allem Spaß machen.

· "Judo ist eine harte Sportart" Judo-Neulinge werden zunächst kontinuierlich in die hohe Kunst der Fallschule eingeführt, die auch außerhalb der Judo-Matte gut zu gebrauchen ist. Erst wer fallen kann, ohne sich weh zu tun, lernt die ersten leichten Würfe.


"Für Judo bin ich nicht kräftig genug" Nicht rohe Kraft ist das Prinzip , sondern Technik. Die Kraft des Gegners wird geschickt ausgenutzt, sein Gleichgewicht wird gebrochen und die eigene Kraft wird auf den schwächsten Punkt des Gegners konzentriert. Deshalb kann man mit Judo auch einen größeren und stärkeren Gegner bezwingen - eben siegen durch nachgeben.

· "Judo ist für Kinder ungeeignet" Judo ist im Gegenteil ein idealer Sport für Kinder und Jugendliche. Unter der Obhut von qualifizierten Trainern können sie sich spielerisch austoben. Ganz nebenbei erzieht Judo sie zu sportlichem Verhalten und Kameradschaftlichkeit, stärkt ihr Selbstbewusstsein und hilft ihnen sich im täglichen Leben zu behaupten.

· "Judo ist eine gefährliche Sportart" Statistiken belegen, dass die Verletzungsgefahr beim Judo sehr gering ist, viel geringer als zum Beispiel bei Ballsportarten. Beim Judo Breitensport sind größere Verletzungen sogar äußerst selten.

· "Für Judo bin ich schon zu alt" Auch wenn man sich nicht mehr jung genug fühlt, um an großen Wettkämpfen teilzunehmen, um Judo zu erlernen ist man nie zu alt. Als Breitensport bietet Judo selbst Senioren die Möglichkeit sich körperlich fit zu halten. Im Ursprungsland Japan ist das keine Seltenheit. Judo wird dort bis ins hohe Alter ausgeübt.

· "Judo macht aggressiv" Das genaue Gegenteil ist Fall. Von fernöstlicher Mentalität geprägt, drängt Judo die Sportler zu Fairness und Selbstdisziplin. Das ethische Prinzip des Judo ist gegenseitiges Helfen und Verstehen. Es geht nicht darum einen Gegner zu bezwingen, sondern das Ziel ist ein Kräftemessen mit dem Partner.

Bei welchen Erkrankungen wird von Judo abgeraten?

Bei Erkrankungen der Wirbelsäule, Gelenke und starken Fehlhaltungen sollten Sie grundsätzlich einen Sportorthopäden zu Rate ziehen, bevor das Training aufgenommen wird. Im folgenden zitieren wir ein paar Empfehlungen des Sportärzteteams des Deutschen Judobunds.

Morbus Scheuermann Allgemeine Empfehlungen lauten: Vermeidung von Stauchungen der Wirbelsäule, Kräftigung der Rückenmuskulatur, Physiotherapie etc. Training mit folgenden Einschränkungen: Keine Überkopfstemmübungen bis Abschluss der Pubertät, dafür gezieltes WS-Muskelaufbautraining. Wettkämpfe nur bei Beschwerdefreiheit (Dr.Junker). Erfahrungen im DJV-Leistungskader: Mit zunehmenden Alter wurden in den meisten Fällen Einschränkungen bezüglich der Belastbarkeit aufgehoben und die Realisierung der Trainingsprogramme konnte wie geplant fortgesetzt werden. Der "Scheuermann" ist eine inflationäre Diagnose. Im Buch von Petersen/Renström ist zu lesen, dass Erwachsene mit Z.n. Scheuermann weniger Fehltage im Arbeitsleben haben als Gesunde.

Kreuzbandriss Wann kann ich nach Kreuzbandplastik (nach Riss des vorderen Kreubands) wieder Judo machen? Entscheidend ist die korrekte Durchführung der Operation und die Nachbehandlung. Nach OP beginnt sofort das Aufbauprogramm mit Krankengymnastik und physikalischer Therapie. Dieses wird dann schrittweise gesteigert. Nach 5 Monaten sollte ein judospezifisches Training bei vielen wieder möglich sein. Wichtig ist ein guter Aufbauplan nach der OP.

Morbus Schlatter Die Erkrankung des Knies ist relativ häufig und bessert sich meist im Erwachsenenalter. Judo ist möglich, ggf. Kniebandage tragen. Physiotherapie ist hilfreich.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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